FVF - Projekte, Calls, Rezensionsangebote
Aufruf zur Mitarbeit am FVF-Jahrbuch 2011
 
Wissenskulturen des Vormärz 

Es ist häufig beschrieben worden, daß sich mit dem Auslaufen von romantischer Naturphilosophie und Idealismus gravierende Veränderungen im Denken und Wissen vollziehen. Ob es die etwas ältere Diagnose von Odo Marquard ist, wonach die Romantiknatur von einer pessimistischen Anthropologie der Triebnatur abgelöst werde, oder Jonathan Crarys jüngere Einsicht, daß sich in der Wissenschafts- und der Populärkultur seit den 1820er Jahren Veränderungen der Wahrnehmung anbahnen, welche erst die Kunst der Moderne am Jahrhundertende dann allgemein sichtbar werden läßt, oder Jürgen Links Hypothese einer Bifurkation der diskurssteuernden Dispositive ‚Norm‘ und statistische ‚Normalität‘ im Biedermeier – immer wird dabei im zweiten bis vierten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts ein weitreichender Umbruch festgestellt. Das Projekt, diesen Wandel auch einmal mit der These vom Vormärz in der Politik, der Kultur und den Künsten abzugleichen, ist bislang über Autorenstudien hinaus jedoch kaum systematisch verfolgt worden. Der Band will deshalb die These prüfen, ob, was bislang als „Vormärz“ vorwiegend in Hinblick auf soziale und politische Veränderungen beschrieben worden ist, nicht treffender als eine Phase grundlegenden Wandels von Wissensordnungen zu fassen sei.

Als Kategorie ist der „Vormärz“ vor allem in der Literaturgeschichte prominent, weniger schon in der politischen und Sozialgeschichte, und dabei höchst umstritten, stoßen hier doch „Biedermeier“ und „Junges Deutschland“ zusammen, mischen sich „autonome“ und „engagierte“ Kunst und unterwandern klare Grenzziehungen. Die Kategorie ‚Wissen‘ ermöglicht es nun, Phänomene jenseits solcher Fraktionierungen zu untersuchen: zum einen Produktionsbedingungen und Präsentationsformen als Voraussetzungen für disziplinär organisiertes, wissenschaftliches Wissen ebenso wie für populäres Wissen oder literarisch erzeugtes und vermitteltes Wissen; zum anderen Beziehungen zwischen diesen unterschiedlichen Wissensformationen im kulturellen Feld. Der Vormärz ist, so das Ergebnis unserer bisherigen Forschungen, eine Phase relativ offener Episteme, ein „Experimentierfeld“. Feste Wissensordnungen sind noch nicht konsequent etabliert: nicht in den Ein- und Ausschlussmechanismen der sich erst ausdifferenzierenden Einzeldisziplinen (was Universalgelehrte wie Humboldt, Goethe oder Carus noch möglich und vor allem sozial relevant macht), nicht in verfestigten Hierarchien (etwa in der Ausprägung einer Leitwissenschaft anstelle des gemeinsamen Daches der Philosophie) und auch nicht in der Abschließung spezialistischer gegen öffentliche Sphären.

Ein vitaler Teil dieses komplexen Gefüges ist das Literatursystem, und zwar unabhängig davon, ob die Texte nun „romantisch“, „jungdeutsch“ oder „Tendenzpoesie“ sein wollen oder ob Programmatiken und Literaturgeschichtsschreibung „konservativ“ oder „fortschrittlich“ ausgerichtet sind. Die Positionierungsmanifeste des Jungen Deutschland etwa adaptieren in ihren zentralen Begriffen „Leben“, „Fortschritt“ oder „Genie“ Zeugungs- und Entwicklungsmodelle der zeitgenössischen Biologie, grenzen aber massiv statistische Dispositive und die neuen Objektivitätsnormen der Wissenschaften (Larraine Daston/Peter Galison) aus. Die viel besprochenen Veränderungen in der Raum-Zeit-Wahrnehmung sind nicht nur von Eisenbahn und Telegraphie bedingt, sondern auch von neuen Erkenntnissen aus Geologie, Physik und Evolutionsbiologie. Die Selbstwahrnehmungen kreisen um Komplexe wie „Konkurrenz“ (Olaf Briese), „Zerrissenheit“ und organisieren sich dabei um (neue) Einheits- und Überblicksmodelle sowie Kollektivsymboliken (Jürgen Link, Wulf Wülfing), technische, netzförmige (Eisenbahn, Telegraphie) oder biologische, selbstregulative Einheiten (Zelle), um Medien, die heterogenes Wissen zusammenordnen (Konversationslexika, Kalender, Almanache, Zeitungen, Zeitschriften), um Roman und Novelle, die anschlussfähig sind an die Prosa der Wissensdiskurse, die „Prosa der Verhältnisse“ (Hegel) und an das neue Medium „Journal“ und um europaweit zirkulierendes Bildmaterial (Penny-, Pfennigmagazine). Für das „Epochenproblem Vormärz“ (Peter Stein), den „Streitpunkt Vormärz“ (Helmut Bock) steht also eine Entspannung zu erwarten, wenn Literaturverhältnisse jetzt erstmals systematisch in Relation zu Wissensordnungen beschrieben werden. Denn untersucht ist dieses Beziehungsgefüge bislang nur in wenigen Ausnahmefällen – ein auffälliger Gegensatz zur Romantik „um 1800“ und zur Moderne „um 1900“, für die die Beziehungen zwischen Wissen(schaft) und Literatur inzwischen bis zur Unübersichtlichkeit erforscht werden. Vor diesem Hintergrund will das Jahrbuch deshalb für den Zeitraum zwischen ca. 1820 und ca. 1860 folgende Phänomene in den Blick nehmen:

1.) Wissen(schaft)sgeschichte
- komplexe Gemengelagen des Prozesses der Ausdifferenzierung und Durchsetzung der Einzelwissenschaften mit besonderer Aufmerksamkeit für die Zwischenzonen und die dabei relevanten Machtverhältnissen, Produktions- und Präsentationsbedingungen wissenschaftlichen Wissens
- Wandel der Formen der Wahrnehmung, ihrer Darstellung und der Regeln des Denkens
- Formen der Popularisierung von Wissenschaft

2.) Beziehungen zwischen den verschiedenen Wissensformen
- Beziehungen zwischen naturwissenschaftlichem Wissen und programmatischen Leitkonzepten des Vormärz (‚Leben‘, ‚Bewegung‘, ‚Entsagung‘, ‚Zerrissenheit‘ etc.)
- Beziehungen zwischen medizinischem, biologischem, physiologischem Wissen vom Menschen und literarischer Anthropologie
- Beziehungen literarischer Texte zu wissenschaftlichem und populärem Wissen mit besonderer Aufmerksamkeit auf der Vielfalt an Bezugsmöglichkeiten (d.h. nicht nur Adaption oder Reaktion: Formen der Modifikation und Beurteilung unter Berücksichtigung der Eigenlogiken literarischer Formen, die auch neues Wissen generieren können) und auf Durchlässigkeiten und Überschneidungen zwischen den verschiedenen literaturgeschichtlichen Gruppierungen
- Ausdifferenzierung/Entdifferenzierung: Verbreitung/Reichweiten von Verfahren, Konzepten, Begriffen und Darstellungsformen mit besonderer Aufmerksamkeit auf Interdiskurse, Kollektivsymboliken und auf deren Grenzen

3.) Präsentations- und Darstellungsformen, mit besonderer Aufmerksamkeit für deren wissensgenerierende Aspekte
- Aufzeichnungsverfahren (Kurve, Diagramm, Tabelle, Karteikarte, Lexikonartikel etc.)
- Medien (Almanach, Kalender, Zeitung, Zeitschrift etc.)


The instigators warmly invite contributions both in English and German. Deadline for proposals not exceeding 500 words is 31st Dec 2009. Manuscripts are due to 31st Oct 2010.

Dr. Madleen Podewski
Bergische Universität Wuppertal
Fachbereich A: Geistes- und Kulturwissenschaften
Gaußstraße 20
42119 Wuppertal
podewski@uni-wuppertal.de

Dr. Gustav Frank
Ludwig-Maximilians-Universität München
Department 13.I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache
Institut für deutsche Philologie
Schellingstraße 3/RG
D-80799 München
Gustav.Frank@lmu.de


up

Aufruf zur Mitarbeit am FVF-Jahrbuch 2010
 
Verlagswesen und Literaturbetrieb im Vormärz 

Der Vormärz gilt in vielerlei Hinsicht als „Labor-Zeit“ (Peter Stein), als Epoche der Experimente und Umbrüche. Das Jahrbuch 2010 des Forum Vormärz Forschung will der Frage nachgehen, wie sich die ästhetischen und literarisch-politischen Erneuerungsversuche, die diese Zeit prägen, im Verlagswesen und Literaturbetrieb niederschlagen, und lädt alle daran Interessierten zur Mitarbeit ein.

Welche neuen Publikations- und Verkaufsstrategien werden für die neue Literatur gefunden? Welche Veränderungen ergeben sich auf dem Buch- und Zeitschriftenmarkt, bei der Zusammensetzung und den Erwartungen der Leserschaft? Wie wandeln sich Vertriebswege und Lesekultur? Welche Rückwirkungen haben die Marktgesetze und die verschärfte Konkurrenzsituation auf die Literatur und ihre Inhalte sowie auf die Autor/inn/en, ihr Selbstverständnis und ihre öffentliche Selbstdarstellung? War die Revolution von 1848/49 tatsächlich auch eine „Medien-Revolution“?

Fragen wie diese können aus literaturwissenschaftlicher, buch- und zeitungswissenschaftlicher Sicht ebenso erörtert werden wie unter kommunikations- und medienwissenschaftlichen Gesichtspunkten oder auch im Hinblick auf die Historische Leseforschung. Dem Anliegen des Forum Vormärz Forschung entsprechend, sind interdisziplinäre und nicht ausschließlich literaturhistorisch orientierte Ansätze ausdrücklich erwünscht. Dabei können einzelne Verlage und Verlegerpersönlichkeiten ebenso in den Blick genommen werden wie bestimmte Autor/Verleger-Beziehungen, Zensurstrategien, Werbung, Rezensionswesen und Vertrieb, die Funktion der Leipziger Messe, Gesetzgebung und Rechtsstreitigkeiten, Konkurrenz und Kooperation zwischen Verlagen, regionale Literaturverhältnisse, Leihbibliotheken, Lesekabinette, Lesegesellschaften, die Bedeutung von Literaturskandalen und -fehden im Literaturbetrieb; auch Vergleiche der Situation der deutschsprachigen Buchmärkte mit denen anderer europäischen Länder bieten sich an.

Falls Sie sich mit einem Beitrag am Jahrbuch des FVF zu dem Themenschwerpunkt „Verlagswesen und Literaturbetrieb im Vormärz“ beteiligen möchten, senden Sie Ihren Themenvorschlag sowie ein Exposé von max. 500 Wörtern bitte bis zum 30.11.2009 per E-Mail an die unten angegebene Adresse. Abgabetermin für die angenommenen, druckfertigen Manuskripte ist dann der 31.10.2010.

Christian Liedtke
Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf
Bilker Str. 12-14
40213 Düsseldorf
christian.liedtke@duesseldorf.de


up

Aufruf zur Mitarbeit an der Tagung
 
Karriere eines Lyrikers: Ferdinand Freiligrath 

Tagung des Forum Vormärz Forschung (Bielefeld), der Grabbe-Gesellschaft (Detmold) und der Lippischen Landesbibliothek (Detmold), im September 2010.

Der junge Ferdinand Freiligrath gilt, nachdem er sich mit seiner exotischen ‚Löwenpoesie‘ in die Literatur eingeführt hatte, als der ‚Trompeter der Revolution‘ von 1848. Nach der Reichsgründung 1871 wird er als eine Art Nationalheld verehrt, der mit seiner Literatur den Weg zu diesem Deutschen Reich zu einem Gutteil geebnet habe. Die Freiligrath-Dotation, zu der Emil Rittershaus 1867 in der ‚Gartenlaube‘ aufruft, Triumphzüge in Köln, Soest, Bielefeld und Detmold, Ehrungen und etliche aufwendige Werkausgaben sind die Folge. Freiligrath zählt im Kaiserreich zu den populärsten Autoren der deutschen Literaturgeschichte. Die Nazis können ihn – im Unterschied etwa zu den Dramatikern Kleist und Grabbe – nicht in ihr ideologisches Konzept integrieren; sein Werk gerät zunehmend in Vergessenheit, abgesehen von einigen der ganz frühen Gedichte. In Westdeutschland gab es nach 1945 keinen Anlaß, sich mit diesem Autor wieder zu beschäftigen; in der DDR, wo die demokratische Tradition Deutschlands graduell bewußter gepflegt wurde, mag sich dies etwas anders verhalten, zumal Freiligraths enger Kontakt mit Marx und Engels während seiner Mitarbeit an der Neuen Rheinischen Zeitung und im Londoner Exil ihn ideologisch exponierte. Tatsache ist, daß Freiligraths Ruhm heute verblaßt ist und sich selbst in Conradys Lyrikanthologie und in Lesebüchern nur noch wenige seiner Texte finden. Im Schulunterricht taucht der Name allenfalls in Unterrichtsreihen zur politischen Lyrik auf.

Die Tagung soll zum einen der Frage nachgehen, welche Eigenschaften der Texte Freiligraths, aber auch welche äußeren Umstände und Einflußgrößen zum kometenhaften Aufstieg dieses Autors (sowie zum Verblassen seines Ruhms) führen.

Die Vorträge sollen i.d.R. ca. 20-25 Min. dauern, anschließend steht etwa dieselbe Zeit für die Diskussion zur Verfügung. Aber auch Miszellen (etwa 10 Min. Vortrag) sind willkommen.

Themenvorschläge mit Exposé senden Sie bitte bis zum 30. September 2009 an das Forum Vormärz Forschung e.V., Oberntorwall 21, 33602 Bielefeld oder an info@vormaerz.de.

up

Aufruf zur Mitarbeit am FVF-Jahrbuch 2009
 
Literatur und Recht im Vormärz 

Das Verhältnis von Literatur und Recht hat in den letzten Jahren unter dem anregenden Impuls des Law-and-Literature-Movement in den Literatur- und Geisteswissenschaften ein besonderes Interesse hervorgerufen. Mindestens vier verschiedene Ansätze haben sich dabei etabliert: 1. Unter dem Begriff ‚Law in Literature‘ erscheinen Studien über das in der Literatur dargestellte Recht. 2. ‚Law and Literature as Language‘ geht davon aus, dass Recht und Literatur jeweils eine vergleichbare Funktion als Medien kultureller Kommunikation und kultureller Selbstverständigung in der Gesellschaft übernehmen. 3. Unter ‚Law as Literary Movement’ laufen jene Studien, in denen die rechtlichen Entwicklungen unter historischen Gesichtspunkten mit literaturhisorischen und -ästhetischen oder geistes- und ideengeschichtlichen Entwicklungen parallelisiert werden. 4. ‚Law and Literature as Ethical Discourse’ beschäftigt sich mit moralethischen Wirkungen von Literatur und Kunst. Für die Zeit des Vormärz sind solche Fragestellungen nach den Wechselbeziehungen besonders fruchtbar, gehört es doch zu den historischen Auffassungen jener Zeit, dass „recht und poesie miteinander aus einem bette aufgestanden waren“, wie es Jacob Grimm in seinem Aufsatz Von der Poesie im Recht (1816) kundtat.

Bezogen auf Literatur und Kultur des Vormärz galt das Interesse am Thema Literatur und Recht bislang überwiegend Fragen der Zensur. Tatsächlich ist die rechtliche Regulierung des Literaturbetriebs und des Pressewesens ein Charakteristikum textueller Produktion ab 1819 in der von Metternich dominierten politischen Landschaft. In der Forschung sind insbesondere Zensurpraktiken beispielhaft (lokal und regional) und systematisch (Theaterzensur, Zensurstruktur, Distributionswege von Literatur) analysiert worden. Ebenso sind Fragen wie sekundäre Zensur (‚Schere im Kopf‘), Schreiben unter der Zensur (Camouflage-Technik) und existenzielle Bedrohung (veränderte Lebens- und Berufswege) ventiliert worden.

Doch neben den Problemen der Zensur eröffnet die Analyse des Spannungsverhältnisses von Literatur und Recht, wie sie in der Law-and-Literature-Movement vorgenommen wird, neue Perspektiven für die Vormärz-Forschung. Zu den dort mittlerweile gängigen Interessen lassen sich mehrere für die textuelle Produktion im Vormärz produktiv machen: 1. Rechtsvorstellungen in der Literatur oder literarische Thematisierungen des Rechts, bei denen die Sichtweisen der Beteiligten (vom Täter bis zum Richter) und Prozesse diskutiert werden. 2. Rechtsphilosophische Fragestellungen, insbesondere über das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit, und die moralischen Konsequenzen in Politik und Gesellschaft. 3. Die Bedeutung des rechtsgeschichtlichen Hintergrunds für die interpretatorische Erschließung literarischer und publizistischer Texte. Im Jahrbuch sollen diese neuen Perspektiven in den Mittelpunkt rücken und damit die Fokussierung auf die Zensurproblematik hin aufbrechen.

Gemäß dem Anliegen des FVF (Forum Vormärz Forschung) ist auch in diesem Jahrbuch eine multidisziplinäre Herangehensweise erwünscht, d.h. dass Beiträger aus den Bereichen Literatur-, Rechts,- Geschichts-, Wissenschafts- und Kulturwissenschaft sowie aus der Philosophie oder anderen Disziplinen zur Mitarbeit eingeladen sind.

Die Beiträge sollten in deutscher Sprache verfasst sein.

Folgende Aspekte sind für das Schwerpunktthema Literatur und Recht im Vormärz interessant, wobei grundsätzliche Offenheit für andere Themen besteht:

  • Dichterjurist: Doppelbiographie Jurist – Schriftsteller/Publizist (z.B. W. Alexis, K. Baldamus, K. v. Bentzel-Sternau, K. Follen, C. Grabbe, F. Hebbel, H. Heine, K. Immermann, K. Mayer, J. Nestroy, J. Siebenpfeiffer, J. Temme, P. Wigand usw.)
  • Auswirkungen juristischer Tätigkeit auf die schriftstellerische Produktion
  • Beschreibung der juristischen Tätigkeit von Dichterjuristen
  • Das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit in rechtsphilosophischer, politischer, sozialer und literarischer Perspektive
  • Literatur als politisches Tribunal
  • Rechtsfälle in Wirklichkeit und Fiktion - literarische und publizistische Reaktionen auf wichtige Prozesse (politische Prozesse, Kriminalprozesse, Strafrecht)
  • Gattungstypologische Überlegungen
  • Konzepte poetischer und sozialer Gerechtigkeit in Literatur und Publizistik
  • Verfassung im Spiegel literarischer, publizistischer und politischer Darstellungen
  • Rechtliche Bedingungen der Literaturproduktion
  • Verleumdung und Personenkritik – Literatur im Widerstreit mit dem Persönlichkeitsrecht
  • Recht und Rhetorik/Rechts- und Literatursprache – theoretische Schriften zur Beredsamkeit, Verteidigungsschriften
  • Friedrich Carl von Savigny und die historische Rechtsschule

Falls Sie am Jahrbuch 2009 Literatur und Recht im Vormärz mitwirken möchten, senden Sie bitte eine Email mit einem Exposé von max. 500 Wörtern an:

Ludwig Maximilian Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Dr. Claude D. Conter
Schellingstraße 3 / RG. - Zi. 420
80799 München
claude.conter@lmu.de

Einsendeschluss für die Exposés: 1. Oktober 2008
Einsendeschluss für die druckfertigen Manuskripte: 1. November 2009.

up

Aufruf zur Mitarbeit:
 
Lexikon demokratischer und liberaler Autorinnen und Autoren des Vormärz (Arbeitstitel) 

»Dieser Satz, daß die Weit noch unvollendet ist, ist außerordentlich wichtig für alles. Denken wir uns die Welt als vollendet, so ist alles unser Thun nichts. Wissen wir aber, daß die Welt unvollendet ist, so ist unsere Bestimmung wohl, an der Vollendung derselben mitzuarbeiten. Der Empirie wird dadurch ein unendlicher Spielraum gegeben.« (Friedrich Schlegel)

Die Forschung zur Literatur der Jahrzehnte zwischen den Napoleonischen Kriegen und Märzrevolution zeichnet sich dadurch aus, daß über kanonisierte Autoren wie Heine oder Büchner, neuerdings Gutzkow, intensiv gearbeitet wird, die Breite der literarischen Produktion und literaturpolitischen Debatten aber oft nur im Bezug auf diese 'Klassiker' in den Blick kommt. Nach den Anfängen einer intensiveren sozialhistorischen, ideengeschichtlichen und prosopographischen Aufarbeitung in den sechziger und siebziger Jahren sind Versuche rar geworden, selbst grundlegende Informationen zu Lebensläufen, Zeitschriften und Strukturen des literarischen Marktes bereitzustellen: durch Sichtung von Personalnachlässen, institutionellen Archivalien (Zensurbehörden, Verlage etc.), biobibliographische Recherchen usw.; wissenschafts- und buchgeschichtliche Untersuchungen stellen hier inzwischen gelegentlich eine erfreuliche Ausnahme dar.

Das geplante Lexikon will biographische Informationen zu Autorinnen und Autoren dokumentieren, die zwischen 1815 und 1848/49 publiziert haben. Zentrales Kriterium für Aufnahme und Abgrenzung soll das Selbstverständnis eines 'operativen Schreibens' sein, das zur Überschreitung des literarisch-politischen status quo tendiert: die Option für jene 'Bewegung', die für die epochale Semantik charakteristisch ist, sich in den neuen Genres des Vormärz (Reisebild, Skizze, Zeitbild u.ä.) manifestiert und offene Zeithorizonte akzeptiert. Das nach diesem Kriterium erstellte Verzeichnis ist pragmatisch angelegt, Streit- und Grenzfälle sind nicht selten. Im Zweifel wurde für Aufnahme plädiert, um das Spektrum sozialistischer, liberaler, freikirchlicher usw. Positionen auch in seiner Diffusität zu zeigen; Beispiele für solche 'Grenzfälle' sind etwa Freytag, Keller, Virchow und Wagner, deren Schwerpunkt als Autor deutlich nach 1848 liegt. Die Auswahl beruht auf der Auswertung zeitgenössischer Zeitschriften und Anthologien sowie einschlägiger Forschungsbeiträge.

Den Verfassern steht ein Musterartikel zur Verfügung, aus dem der Aufbau ersichtlich ist; das Verzeichnis vermerkt den möglichen Umfang in Klammern hinter dem Namen. Wichtig erscheint uns, daß die bio-bibliographische Erfassung durch eine essayartig resümierende Einordnung der AutorInnen in den literarisch-kulturpolitischen Kontext ergänzt wird. Kritik, Hinweise und Ergänzungsvorschläge sind willkommen.

Bernd Füllner
Katharina Kleine
Rainer Kolk
Michael Vogt

Rückmeldungen bitte an das Forum Vormärz Forschung, Bielefeld.


Liste der Autorinnen und Autoren des Vormärz

(Nachname, Vorname, geplante Spaltenanzahl)


Aegidi, Ludwig Karl James, 2
Altenhöfer, August Joseph
Althaus, Theodor, 2
Anneke, Mathilde Franziska, 4
Assing, (Rosa) Ludmilla, 4
Aston, Louise Franziska, 4
Bacheracht, Therese von
Baltzer, (Wilhelm) Eduard, 2
Bauer, Bruno, 4
Bauer, Edgar, 2
Bauer, Heinrich
Bauernfeld, Eduard von, 2
Baur, Ferdinand Christian, 2-4
Bayrhoffer, Karl Theodor, 2
Becher, Alfred Julius, 2
Beck, Karl Isidor, 4
Becker, August, 2
Becker, Johann Philipp, 2
Becker, Nikolaus, 2
Beckerath, Hermann von
Bering, Fritz / Friedrich
Beta, Heinrich
Binzer, August Daniel Freiherr von
Bisky, Friedrich Ludwig
Blum, Robert, 4
Böhm, Joseph
Born, Stefan, 2
Börne, Ludwig, 8
Brachvogel, Albert Emil
Braß, August
Buchner, Karl Friedrich August, 2
Büchner, Georg, 8
Bürgers, Heinrich, 2-4
Butz, Caspar, 2
Carové, Friedrich Wilhelm, 2
Castelhun, Friedrich Karl
Christern, Johann Wilhelm, 2
Cornelius, Gustav Friedrich Wilhelm Ewald, 2
Creizenach, Theodor, 2
Dahlmann, Friedrich Christoph, 4
D'Ester, Carl Ludwig, 2
Detmold, Johann Hermann, 2-4
Dietsch, André Antoine, 2
Dingelstedt, Franz Freiherr von, 4
Dittmar, Louise, 2
Drobisch, Gustav Theodor, 2
Dronke, Ernst Andreas Dominikus, 4-6
Dulk, Albert
Duller, Eduard, 4
Eberts, Eugen, 2
Eccarius, Johann Georg, 2
Echtermeyer, Theodor, 4
Eck, Karl Gottlieb, 2
Eicholz, Johann Eduard Ehrenreich, 2
Endrulat, Bernhard Ferdinand Julius, 2
Engels, Friedrich, 8
Ewald, Georg Heinrich August, 2-4
Ewerbeck, Hermann August, 2
Eylbert, Friedrich, 2
Falke, Oskar, 2
Faucher, Julius, 2
Fein, Georg, 2
Fetzer, Karl August, 2
Feuerbach, Ludwig Andreas, 8
Follen, August Adolf Ludwig, 2
Follen, Karl Theodor Christian, 4
Follen, Paul, 2
Frankl, Ludwig August (Ritter von Hochwart), 2
Freiligrath, Ferdinand, 8
Freytag, Gustav, 4
Fröbel, Julius, 2
Frohne, K., 2
Gagern, Heinrich von
Gans, Eduard, 4
Geltch, Johann Friedrich, 2
Gerhard, (Gustav Adolf) Friedrich, 2
Gervinus, Georg Gottfried, 4-8
Gilm zu Rosenegg, Hermann von, 2
Glassbrenner, Adolf Georg Theodor, 4-6
Gödeke, Karl, 2
Goldschmidt, Johanna, 2
Gottschall, Karl Rudolf (von), 4
Grabbe, Christian Dietrich, 8
Gregorovius, Ferdinand, 4
Grieben, Hermann
Grimm, Jakob
Grimm, Wilhelm Karl
Grün, Anastasius, 4
Grün, Karl Theodor Ferdinand, 4
Gutzkow, Karl Ferdinand, 8
Hammer, Julius, 2
Häring (Willibald Alexis), Georg Wilhelm Heinrich, 8
Harring, Harro Paul, 4
Hartmann, Moritz
Hauff, Wilhelm, 4
Hecker, Friedrich Franz Karl, 2
Heine, Heinrich, 8
Heinzen, Karl Peter, 2
Herloßsohn, Karl Georg Reginald, 2
Herwegh, Georg, 8
Hess, Moses, 4
Hillebrand, Joseph
Hillebrand, Karl
Hofferichter, Theodor Alexander Konstantin, 2
Hoffmann von Fallersleben, August Heinrich, 8
Jakoby, Johann, 2
Jeitteles, Alois / Isaak (Anm. Stein), 2
Jochmann, Carl Gustav, 2
Jordan, Wilhelm, 2
Jung, Alexander, 2-4
Kalisch, Ludwig, 2
Kapper, Siegfried, 2
Keller, Gottfried, 4
Kinkel, Gottfried, 2-4
Köhler, Ludwig, 2
Kolloff, Eduard, 2
Kölner, (Johann) Rudolf, 2
Köppen, Karl Friedrich, 2-4
Köttgen, Gustav Adolph, 2
Krasser, F.
Kriege, Hermann, 2
Kugelmann, Louis
Kühne, Ferdinand Gustav, 4-8
Kürnberger, Ferdinand, 4-8
Kurz, Heinrich, 2
Kurz, Hermann, 4-8
Landesmann, Heinrich, 2
Lasker, Ignaz Julius, 2
Lassalle, Lorenz Cantador Ferdinand, 4
Laube, Heinrich, 8
Lengerke, Cäsar von, 2
Lewald, August Johann Karl, 4
Lewald, Fanny, 4
Lexow, Friedrich
Liebknecht, Wilhelm Philipp Christian Martin Ludwig, 4
Lohbauer, Rudolf, 2
Löwenstein, Rudolf, 2
Lüning, Otto, 4
Lyser, Johann Peter Theodor, 2
Marggraff, Hermann, 4
Martens, Joachim Friedrich, 2
Marx, Karl, 8
Mäurer, Friedrich Wilhelm German, 2-4
Mautner, Eduard, 2
Meissner, Alfred, 4
Menzel, Wolfgang, 4-8
Meyen, Eduard, 2-4
Mommsen, Theodor
Mühlbach, Luise, 4
Müller von der Werra, Friedrich Konrad, 2
Münch, Friedrich, 2
Mundt, Theodor, 8
Nauwerck, Karl Theodor, 4
Neuhaus, Gustav Reinhard, 2
Niendorf, Anton, 2
Nitschner, Jakob, 2
Nordmann, Johannes, 2
Oetker, Friedrich, 2
Opitz, Theodor, 2-4
Oppermann, Heinrich Albert, 4
Ortlepp, Ernst, 2
Otto-Peters, Louise, 4
Paulus, Heinrich Eberhard Gottlob, 2-4
Pelz, Eduard, 2
Peters, August
Pfau, Karl Ludwig, 2
Pischon, Friedrich August, 2
Pott, August Friedrich, 2
Prutz, Robert Eduard, 4-6
Pückler-Muskau, Hermann Ludwig Heinrich Fürst von, 4
Püttmann, Hermann, 4
Ranke, Ernst, 2
Reuter, Fritz, 4
Rick, Karl, 2
Riesser, Gabriel, 4
Ring, Max, 2
Rollett, Hermann, 2
Rosenkranz, Karl, 4
Rothe, Richard
Ruge, Arnold, 4-6
Rutenberg, Adolf Friedrich, 2
Sallet, Friedrich von, 2
Saphir, Moritz Gottlieb, 4
Saß, Friedrich, 2
Sauerwein, Johann Wilhelm
Sauter, Ferdinand, 2
Schanz, Julius August, 2
Schefer, Leopold, 2-4
Scheibe, Theodor, 2
Scherr, Johannes, 2-4
Schirges, Georg Gottlieb, 2-4
Schirmer, Adolph, 2
Schnauffer, Karl Heinrich, 2
Schücking, Christoph Bernhard Levin Anton Matthias, 4
Schuler, Johann(es), 2
Schultes, Karl, 2
Schults, Adolph, 2-4
Schulz, Wilhelm, 4
Schurz, Carl, 4
Schweichel, Georg Julius Robert
Schwetschke, Gustav Karl
Scriba, Karl (Emil), 2
Sealsfield, Charles, 4
Seeger, Ludwig, 2
Semmig, Friedrich Hermann/ Friedrich Wilhelm, 2
Sepp, Johann Nepomuk, 2
Siebenpfeiffer, Philipp Jakob, 2-4
Silberstein, August Karl, 2
Solger, Reinhold, 2
Stechan, Gottfried Ludwig, 2
Steinmann, Friedrich Arnold, 4
Stirner, Max, 4
Stöber, August / Adolf
Stöber, Daniel Ehrenfried
Stoltze, Friedrich, 2
Strachwitz, Karl Wilhelm Anton Graf von, 2-4
Strähl, Wolfgang Anicetus, 2-4
Straß, Karl Friedrich Heinrich, 2
Straubenmüller, Johann, 2
Strauß, David Friedrich, 4
Streckfuß, Karl, 2
Strodtmann, Adolf Heinrich, 4
Struwe, Georg / Gustav von, 2
Tarnow, Fanny
Temme, Jodocus Donatus Hubertus
Uhlich, Leberecht, 2
Ullrich, Titus, 2
Varnhagen von Ense, Karl August
Veit, Moritz, 2
Venedey, Jakob
Virchow, Rudolf, 4
Vischer, Friedrich Theodor, 4
Vogl, Johann Baptist
Wackernagel, Wilhelm
Wagner, Wilhelm Richard, 4
Waldeck, Benedikt Friedrich Leo, 2
Weber, Friedrich Wilhelm, 2
Weber, Georg, 2
Weerth, Georg, 8
Weigl, Josef Ferdinand, 2
Weinholz, Heinrich Albert
Weitling, Wilhelm Christian, 4
Weller, Karl, 2-4
Wetzel, Friedrich Gottlob, 2
Weydemeyer, Joseph, 4
Wienbarg, Ludolf Christian, 8
Wiesner, A.C.
Wihl, Ludwig
Wilbrandt, Christian, 2
Willkomm, Ernst Adolf, 4
Wirth, Johann Georg August, 2-4
Wolff, Friedrich Wilhelm, 4
Wolff, Oskar Ludwig Bernhard, 2
Wurm, Christian
Wurm, Christian Friedrich
Wurzbach, Konstant Ritter von
Zeise, Karl Heinrich Theodor, 2
Zimmermann, Balthasar Friedrich Wilhelm, 2
Zimmermann, Robert, 2
Zuccalmaglio, Anton Wilhelm Florentin von
Zunz, Leopold, 4

up

Einladung zur Rezension von Neuerscheinungen für das Jahrbuch 

Folgende Bücher stehen zur Besprechung im Jahrbuch zur Verfügung. Bitte per Fax oder Brief bei der Geschäftsstelle anfordern (z.Hd. Herrn Dr. Kopp) oder per e-Mail: kopp@aisthesis.de.

  • Theodor Althaus: Zeitbilder 1840 - 1850. Herausgegeben von Renate Hupfeld. Bielefeld: Aisthesis, 2010. (150 Seiten, EUR 14,50)
  • Adolf Glaßbrenner: Rindviecher, Bauchredner und Großherzöge. Berichte aus der Residenz Neustrelitz 1840-1848/49. Herausgegeben und kommentiert von Olaf Briese. Bielefeld: Aisthesis, 2010 [= Vormärz-Studien Bd. XIX]. (143 Seiten, EUR 14,80)
  • Christian Dietrich Grabbe: Der Cid. Große Oper in 2 -- 5 Akten. Text -- Materialien -- Analysen. In Verbindung mit Maria Porrmann und Kurt Jauslin herausgegeben von Detlev Kopp. Bielefeld: Aisthesis, 2009 (142 Seiten + DVD, EUR 19,80)
  • Karl Gutzkow. Briefe und Skizzen aus Berlin (1832-34). Herausgegeben, kommentiert und mit einem Nachwort von Wolfgang Rasch [= Vormärz-Studien XVI]. Bielefeld: Aisthesis, 2008 (210 Seiten, EUR 24,50)
  • Ingrid Hennemann-Barale / Harald Steinhagen (Hg.): Auf den Spuren Heinrich Heines. Pisa: Edizioni ETS, 2006 (284 S. / EUR 14,00)
  • Hans Joachim Kusserow: Die Nienburger Schillerstiftung von 1859. Begeisterung für Friedrich Schiller und die nach ihm benannte Wohlfahrtseinrichtung. Museum Nienburg 2009 (118 Seiten)
  • Bodo Morawe: Citoyen Heine. Das Pariser Werk. Band 1: Der republikanische Schriftsteller. Bielefeld: Aisthesis, 2010. (402 Seiten, EUR 38,-)
  • Adelheid von Saldern: Netzwerkökonomie im frühen 19. Jahrhundert. Das Beispiel der Schoeller-Häuser. [Unternehmensgeschichte Bd. 29]. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2009. (364 Seiten)
  • "Der Weg von Ihrem Herzen bis zu Ihrer Tasche ist sehr weit". Aus dem Briefwechsel zwischen Heinrich Heine und seinem Verleger Julius Campe. Hrsg. von Gerhard Höhn und Christian Liedtke. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2007 (220 S.)
  • Eva Maria Werner: Die Märzministerien. Regierungen der Revolution von 1848/49 in den Staaten des Deutschen Bundes. Göttingen: V&R unipress, 2009. (337 Seiten)
  • Zur Aktualität der Philosophie Max Stirners. Seine Impulse für eine interdisziplinäre Diskussion einer kritisch-krisischen Grundbefindlichkeit des Menschen. Hrsg. von Bernd Kast u. Geert Lueke-Lueken. [= Der Einzige. Jahrbuch der Max Stirner Gesellschaft 2008]. Leipzig: Max Stirner Archiv / edition unica , 2008 (234 Seiten).

up

 

Homepage des Forums Vormärz Forschung home