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Ewald, [Georg] Heinrich [August]
Geboren am 16.11.1803 in Göttingen. Ewald promoviert schon 1823 zum Dr. phil. und wird 1827 außerordentlicher, 1831 ordentlicher Professor an der Philosophischen Fakultät in seiner Vaterstadt. In dieser ersten Phase seines Wirkens sichert er sich bleibenden Ruhm als Orientalist und Begründer der semitischen Grammatik, um dann die poetischen Schriften des Alten Testaments auszulegen. Ende 1837 als einer der Göttinger Sieben, die gegen die Aufhebung des hannoverschen Staatsgrundgesetzes durch den König Ernst August protestiert hatten, seines Amtes enthoben, wird Ewald schon im Mai 1838 an die Universität Tübingen berufen. Hier legt er seine bahnbrechenden Untersuchungen zu den prophetischen und geschichtlichen Büchern des Alten Testaments vor. Durch die Märzregierung 1848 nach Göttingen zurückberufen, konzentriert er seine Forschungen auf die neutestamentlichen Schriften. Daneben gibt er 1849-1865 eine Rezensionszeitschrift, die Jahrbücher der biblischen Wissenschaft, heraus, für die er meisten Beiträge selbst schreibt. Nach der preußischen Annexion Hannovers 1866 verweigert Ewald den Huldigungseid auf den neuen Herrscher und wird wieder entlassen, allerdings unter Belassung des Gehalts. Seit 1869 vertritt er die Welfenpartei im Reichstag. Er stirbt am 4.5.1875 in Göttingen.
Neben seinen wissenschaftlichen Werken veröffentlicht Ewald seit 1837 auch zahlreiche Tagesschriften. Trotz seines Widerstands gegen den Staatsstreich in Hannover ist er kein Liberaler, weder in politischer Hinsicht (hier bleibt er Monarchist) noch in theologischer (er bekämpft sowohl die Neuorthodoxie Hengstenbergs als auch die radikale Kritik der Tübinger David Friedrich Strauss und Ferdinand Christian Baur). 1863 an der Gründung des liberalen Protestantenvereins beteiligt, dringt er auch hier auf ein verbindliches christliches Bekenntnis. Durchgängig ist seine Abneigung gegen den Katholizismus und gegen Preußen, die er beide für den Niedergang Deutschlands verantwortlich macht. Seinen im Gestus eines biblischen Propheten vorgetragenen Bußrufen an Andersdenkende fehlte jedoch die Überzeugungskraft, nur sein wissenschaftlicher Rang bewahrt ihn davor, als reiner Querulant zu gelten.
Martin Friedrich
Literaturverzeichnis
Werke (in Auswahl)
- Die Composition der Genesis kritisch untersucht. 1823.
- De metris carminum arabicorum libri duo. 1825.
- Kritische Grammatik der hebräischen Sprache. 1827 (1845: Ausführliches Lehrbuch der hebräischen Sprache).
- Über einige ältere Sanskritmetra. 1827.
- Grammatica critica linguae arabicae, 2 Bde., 1831/33.
- Die poetischen Bücher des alten Bundes. 1835-1837.
- Die Propheten des alten Bundes. 1840f.
- Beiträge zur Geschichte der ältesten Auslegung und Spracherklärung des Alten Testamentes. 1844 (Repr. 1976).
- Geschichte des Volkes Israel. 1843-1859.
- Die drei ersten Evangelien übersetzt u. erklärt. 1850.
- Die Johanneischen Schriften übersetzt u. erklärt. 1861-1862.
- Die Lehre der Bibel von Gott, oder Theologie des alten u. neuen Bundes. 1871-1875.
- Worte für Freunde und Verständige. Basel 1838.
- Worte an Herrn Klenze in Hanover. Basel 1838.
- Ein Wort zum Frieden beider Kirchen. Tübingen 1842.
- Über die Ungeschichtlichkeit evangelischer Geistlicher in Deutschland. Tübingen 1845.
- Über seinen Weggang von der Universität Tübingen. Mit andern Zeitbetrachtungen. Stuttgart 1848.
- Über Deutschland und Preußen. Göttingen 1850.
- An die deutschen Bischöfe und Erzbischöfe päpstlichen Glaubens. Göttingen 1854.
- An die Evangelischen Gemeinden des Königreichs Hannover. Göttingen 1862.
- Lob des Königs und des Volkes. Stuttgart 1868.
- Die zwei Wege in Deutschland. Stuttgart 1869.
- Die drei Uebel in Europa. Leipzig 1869.
- Neue Worte an die Preußen. Leipzig 1870.
- Briefe an Ewald. Aus seinem Nachlaß. Hg. v. Richard Fick, Göttingen 1932.
Sekundärliteratur
- Julius Wellhausen: Heinrich Ewald. In: Festschrift zur Feier des hundertfünfzigjährigen Bestehens der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Berlin 1901, S. 61-88 (= Ders.: Grundrisse zum Alten Testament. München 1965, S. 120-138).
- T. Witton Davies: Heinrich Ewald - Orientalist and Theologian. London 1903.
- Hans Beyer: Heinrich Ewald und die Entwicklung in Deutschland. In: Jahrbuch der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte 56, 1958, S. 150ff.
- John Rogerson: Old Testament Criticism in the Nineteenth Century in England and Germany. London 1984, S. 91-103.
- Lothar Perlitt: Heinrich Ewald: Der Gelehrte in der Politik. In: Theologen in Göttingen. Hg. v. Bernd Moeller. Göttingen 1987, S. 157-212
- Jean M. Vincent: Die Beziehung Eduard Reuss’ zu Heinrich Ewald. In: Zeitschrift für die alttestamentliche Wissenschaft 105, 1993, S. 102-110.
- Henning Graf Reventlow: Epochen der Bibelauslegung. Bd. 4. München 2001, S. 290-295.
- Beste Bibliographie: E. Bertheau: In: Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche. 2. Aufl. Bd. 4. 1879, S. 440-447.

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