Forum Junge Vormärz Forschung


Das Forum Junge Vormärz Forschung ist eine Plattform für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die sich mit dem Vormärz und Themen in dessen Umfeld beschäftigen. Auf dieser Website sind deswegen Namen und Informationen zu aktuellen Forschungsprojekten und -interessen versammelt. Des Weiteren informiert das Forum Vormärz Forschung auf dieser Seite über künftige Aktivitäten des Forums Junge Vormärz Forschung. Das Forum Junge Vormärz Forschung ist gleichfalls Titel der internationalen Studientagungen, welche das Forum Vormärz Forschung e.V. in Kooperation mit der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal regelmäßig ausrichtet. Junge Forscherinnen und Forscher stellen dort neue Arbeiten zum Vormärz vor. In diesem Jahr fand an der Bergischen Universität Wuppertal die 7. Studientagung statt (s. unsere Abb.; Angaben zu den dort gehaltenen Vorträgen und den Vortragenden weiter unten).
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TeilnehmerInnen des 7. Forums Junge Vormärz Forschung, April 2015 (v.l.n.r.): Prof. Wolfgang Lukas (Univ. Wuppertal); Tim Weber, MA (Univ. Mainz); Dr. Philipp Erbentraut (Univ. Frankfurt a.M.); Christoph Valentin, MA (Univ. Münster); Maria Jacob, MA (Univ. des Saarlandes); Dr. Bernd Füllner (Univ. Wuppertal); Giuseppina Cimmino, MA (Univ. Florenz/ Bonn); PD Dr. Anne-Rose Meyer (Univ. Wuppertal); Jun.Prof. Dr. Katharina Schneider (Univ. Paderborn)


 
Giuseppina Cimmino

2004-2011: Studium der deutschen und englischen Philologie, der Sprach- und Übersetzungswissenschaft an der Università degli Studi di Napoli „L'Orientale“. Von Februar 2012 bis Juli 2016 Stipendiatin im Rahmen des internationalen Promotionskollegs „Germanistica Firenze-Bonn“ (Università degli Studi di Firenze, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), derzeit Beendigung der Promotion an der Universität Bonn. Forschungsinteressen: Poetik, Rhetorik, Ästhetik; Erzähltheorie; Literatur des 19. Jahrhunderts.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Tendenzermittlung und Historisierung. Die zeitdiagnostische Literaturkritik Laubes und Gutzkows

Am Beispiel Laubes Moderner Charakteristiken (1835) und Gutzkows Vergangenheit und Gegenwart (1830-1838) (1839) lassen sich im Gegenwartsdiskurs, der im Vormärz besondere Konjunktur gewinnt, semiotische Leitoperationen und dementsprechende Gegenwartskonzepte bestimmen: als solche gelten die Verfahren der ,Tendenzermittlung‘ und der ,Historisierung‘, die auf entgegengesetzten Gegenwartskonzepten basieren, indem jeweils auf Progression und Zyklik hinweisen. Mit dezidiert struktural-analytischer Herangehensweise kann man feststellen, dass diese Verfahren mittels der formalen und argumentativen Strategien des „Zäsur-Setzens“ (Historisierung), der „Charakteristik“ als Mittel der Zusammenhangsherstellung (Tendenzermittlung) und des Bezugs auf die Zukunft (Historisierung) in den Texten aktualisiert werden. Aus diesen Überlegungen kann man die Konsequenz ziehen, dass die diskursive Auseinandersetzung mit ‚Gegenwart‘ an die Rückbindung an eine wie auch immer geartete Kausalität nicht verzichten kann.

Power-Point-Präsentation zum Vortrag (als PDF-Datei)

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Skizze des Dissertationsprojekts:

Gegenwartskonzepte in der Publizistik und in der philosophischen Ästhetik (1830-1848) (als PDF-Datei)
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Philipp Erbentraut

Geboren 1982; Studium der Politik und Geschichte; 2015 Promotion; seit 2015 Akademischer Rat für Politische Soziologie und Staatstheorie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Mythos Anti-Parteien-Affekt

Warum deutsche Vormärz-Intellektuelle in Wirklichkeit vom Segen der politischen Parteien schwärmten

Gab es tatsächlich einen generellen Anti-Parteien-Affekt im deutschen politischen Denken des 19. Jahrhunderts? Philipp Erbentraut argumentiert gegen diesen Mythos und zeigt, dass es im Gegenteil bereits im Vormärz (1815–1848) eine positive und elaborierte Theorie und Soziologie der politischen Parteien gegeben hat, der ein modernes Parteienverständnis zugrunde lag. Er hinterfragt, inwiefern diese Positionen avanciertes politikwissenschaftliches Denken vorwegnahmen und sogar heutige Ansätze der Parteienforschung befruchten könnten. Aktuelle Krisensymptome der Parteiendemokratie wie Politikverdrossenheit, Wahlmüdigkeit oder Mitgliederschwund führt er auf ihre erstmalige theoretische Durchdringung vor beinahe 200 Jahren zurück. Durch die Auswertung von mehr als 250 staatsphilosophischen Quellen kann er belegen, dass quer durch alle politischen Lager dabei freundliche, offen parteienbefürwortende Stellungnahmen überwiegen.

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Pressemitteilung:

Theorie und Soziologie der politischen Parteien im deutschen Vormärz 1815–1848 (als PDF-Datei)
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Katharina G. Schneider

Forschungsschwerpunkte: Historische Bildungsforschung (Konzeptionen politischer Bildung im 19. Jahrhundert; Geschichte des Pädagogikunterrichts, seines Curriculums und seiner Didaktik; Methoden historischer Bildungsforschung), Unterrichtsforschung (Modellierung und Messung kasuistischer Kompetenz im Pädagogikunterricht; Fachdidaktische Modelle und Methoden)

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Publikationen in Auswahl (als PDF-Datei)
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Christoph Valentin

Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Polemik und Feindbildkonstruktion

Die Berichterstattung des Münchener Nuntius Michele Viale Prelà über die Deutschkatholiken 1844/45

Im Vormärz begann die Ultramontanisierung des deutschen Katholizismus. Dieser durch Homogenisierung und romorientierte Zentralisierung gekennzeichnete Prozess wurde maßgeblich von den Apostolischen Nuntien, den Vertretern des Heiligen Stuhles in Deutschland, vorangetrieben. Ihre Berichte bildeten die Grundlage für das Vorgehen der Kurie. Beispielhaft hierfür steht Michele Viale Prelà, der zwischen 1838 und 1845 Nuntius in München war. Seine Berichte über die Deutschkatholiken geben kein differenziertes Bild der Entwicklung dieser ersten modernen Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche, sondern schildern sie als eine Sammlungsbewegung von schlechten Katholiken, Protestanten und Kommunisten, die das Ziel verfolge, Thron und Altar zu stürzen. Die Berichte Viale Prelàs stehen dabei paradigmatisch für die kurial-ultramontane Feindbildkonstruktion und tragen maßgeblich zum Verständnis der kurialen Deutschlandpolitik bei.

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Skizze des Dissertationsprojekts:

Die päpstliche Diplomatie und der Aufstieg des Ultramontanismus. Der Apostolische Nuntius Michele Viale Prelà in München (1838-1845) (als PDF-Datei)
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Tim Weber

Interdisziplinäre Dissertation über Georg Büchner und die Volkskunde; Forschungsinteressen: Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft, Editonsphililogie, Erinnerung und Gedächtnis, Erzählkultur und Medialität, Geschichte und Methoden der Germanistik und der Volkskunde.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Kinderfolklore im Woyzeck

Kinder als Dramenfiguren sind in den Woyzeck-Manuskripten eher die Ausnahme. In den ersten beiden Entwurfshandschriften sind sie nicht als Charaktere individualisiert; die Kinderkultur ist Ausdruck einer narrativ konstituierten Volkskultur als Lachkultur (Michail Bachtin), sinn- und identitätsstiftend. Der Herodes-Ringelreihen und das Anti-Märchen der Großmutter sind paradigmatisch für jenen Habitus, der religiöse und gesellschaftliche Institutionen verlacht, indem ein geistlicher Weltentwurf radikal anthropologisiert wird. Mit den Sepulkraltraditionen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit greifen Reim und Märchen eine Ikonographie des Leiblichen auf, die sich in den Bilderwelten der Volkskultur religionskritisch und sozialkritisch als immanente Lebenswirklichkeit materialisiert. In der Sprache des Volkes erzählt Georg Büchner in seinem Woyzeck auf diese Weise eine zweite Wahrheit über die Welt.
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